Presse

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Ivona Jelcic: Geheimnisvolle Zwischenwelten. In: Tiroler Tageszeitung, 8. März 2017, Seite 16

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Siegfried Weger: Kreativer Kopf. In: Tirolerin, März 2017, Seite 184

 

Junge Talente

„…seine phantastischen Traumwelten, deren Grundgedanken in der Rezeption der alltäglichen Werbewelt bzw. der Kunstgeschichte zu finden sind, bilden eine starke malerische Position. In Arbeiten wie diesen steht die Malerei an sich an erster Stelle: ein junges, erfrischendes und gekonntes Plädoyer für die leider viel zu oft todgesagt Malerei per se.“

Eva-Maria Bechter: Junge Talente. In: Vernissage, März 2007, 27. Jhg., Seite 30


 

Robert Freund, Signalfarbe als Metapher für eine neue Welt

„Aus einem umfangreichen Bilderfundus schöpft der junge Tiroler Künstler, wenn er sich der anfänglich leeren Leinwand zuwendet. Es sind Bilder aus der Kunstgeschichte, der Werbung und der Plakatwänden: Tagtägliche Inspirationen des Lebens. Ob durch die Oberflächlichkeit der Werbung begründet, oder in der tiefen Auseinandersetzung der Kunstgeschichte verankert, das Visuelle bietet den Anstoß für Robert Freund, um sich seinen teils großformatigen Arbeiten zuzuwenden. Das endgültige Resultat jedoch weicht ab von der herkömmlichen Vorlage; und genauso wie der Künstler selbst während der Arbeit erzählerische Metaphern einbaut so ist es auch dem Betrachter gewährt, das vermeintlich Bekannte in eine eigene Ding- und Erzählwelt umzuwandeln. Die Werke laden zum Entdecken ein, die Phantasie wird angeregt, eine Verfremdung findet statt: schon während des ersten Schrittes- in der Arbeit des Künstlers- und in weiterer Folge auch in der Betrachtung des jeweils einzelnen Bildes.

Ausgehend von abstrakten Flächen, wird die Leinwand immer dichter, die einzelnen Stellen werden zu einem einzigen erzählerischem Ganzen zusammengefügt. Der ursprünglich abstrakte Untergrund ist Grundlage für die Arbeit und subjektive Herangehensweise von Robert Freund. Das „Abtöten“, das Zudecken liefern ihm den nötigen inspirativen Impuls, um die Bilder entstehen zu lassen. Auch wenn die Bildmotive ursprünglich aus einer uns bekannten Bildwelt stammen, so ist die formale Lösung oft eine ganz andere: Die Muralisten und hier Diego Rivera als Vertreter herausgegriffen, die Hinterglasmaler sowie die Kirchenfenstermaler oder auch der englische Maler Sir Stanley Spencer, bilden in formaler Hinsicht immer wieder die Auseinandersetzung für die Werke von Robert Freund. Die Darstellung des Gegenstandes in einer flächigen, zweidimensionalen Ebene, die Vermeidung von zentralperspektivischer Wiedergabe, die Umrundung der Gegenstände mit markanten Umrisslinien, die scheinbare Blockhaftigkeit der einzelnen Figuren, all das inspiriert, den jungen Tiroler und lässt ihn für seine Bildwelten ganz eigene Lösungen finden. Aber auch die ideologische Haltung der Muralisten trägt für Robert Freund zu einer spannenden Auseinandersetzung bei. Die sozialkritischen, revolutionären Wandgemälde sind bestückt mit politischen Botschaften. Die Kirchenfenster tragen in ihrer Ausführung der Darstellung der Heiligen einiges zur religiösen Metaphysik bei. Wenn nun Robert Freund seinen Bildfundus der Alltäglichkeit in diesen sakralen oder gar sozialkritischen Formalismus zwängt, verschlüsselt er die ursprüngliche bildimmanente Aussage auf eine weiter Ebene.

Auf einer überdimensionalen, rot-weiß karierten Rakete sitzt eine männliche Figur, gekleidet in Boxershorts und dicken grünen Wollsocken. Ihr Kopf steckt in einer Art Box, die einzige Möglichkeit des freien Blickes ist der Schlitz in der violetten Holzkiste. Ein Feuer zu Füßen, des Dargestellten lodert hoch und erhellt die nächtliche Landschaft. Die Berge umfangen die Szenerie und der Sternenhimmel legt sich über das Geschehen. Wird das Feuer die Zündschnur zünden? Und wenn ja, was geschieht mit dem Protagonisten? Wird er mit der riesigen Rakete in den Sternenhimmel fliegen?

Mit Hilfe jener Linien, die die Holzkiste umgeben, bringt Robert Freund eine Tiefenillusion ins Bild und verstärkt den Wunsch des Betrachters, die narrative Szenerie zu entschlüsseln. Das Werk Signum II bleibt – wie die meisten Arbeiten von Robert Freund – jedoch in dieser uneindeutigen Erzählung verhaftet. Signalfarben unterstützen die Vehemenz, die Stärke – man könnte fast von Brutalität sprechen – dieser Arbeiten. Denn die Farben, genauso wie die einzelnen Flächen, sind Hilfsmittel für den Künstler, um eine für die endgültige formale Stimmigkeit des Gesamtwerkes. Einzelne Flächen, losgelöst vom thematischen Gesamteindruck betrachtet, bestechen durch einen sensiblen, malerischen Farbauftrag.

Neben der Leinwand arbeitet der Tiroler stets auch im Medium Papier. Seine Tuschearbeiten gehen formal in eine divergente Richtung als die großflächigen Ölgemälde. Im Papier, besticht Freund durch die Schnelligkeit, den kurz gesetzten Strich. Die Tusche bleibt die einzige koloristische Möglichkeit – erzielt durch Verwischung.

Die Arbeit „Big fish eat little fish I“ zeigt in einer humoristischen Art und Weise die Geschichte der Evolution. Jedes tierische Lebewesen auf dieser Erde dient als Nahrungsmittel, als wichtiger Bestandteil des Ganzen. Im vorliegenden Fall verspeisen sich die Fische gegenseitig: der Größere den Kleineren usw. Und der Größte überlebt – scheinbar. Die zeichnerische Qualität dieser Arbeit liegt in Verwendung der einzelnen Striche. Mit wenigen gestischen Linien charakterisiert Robert Freund die Umgebung dieser Uferlandschaft. Im Hintergrund erscheint ein dunkel gesetzter Wald, während das Geschehen und Wasser, zu Land und in der Luft geschieht. Fliegende Fische jagen einander, aus dem Wasser taucht ein Fisch auf, der nach einem anderen schnappt, der wiederum einen kleineren als Beute fixiert und zu Land bekommen die fressenden Fische plötzlich menschliche Beine…

Robert Freund arbeitet mit einer eigenen Sprache in seinen Bildwelten. Seine Werke dominieren neben der eindrucksvollen Erzählweise, aber vor allem durch die malerische Qualität des Farbauftrags. Teils wird neben der gestischen Setzung des Pinsels auch die Tube als Malwerkzeug verwendet, teils werden die Flächen – zugunsten der Wirkung – wieder übermalt, neu koloriert. Doch die untere Schicht scheint in einer Art durch, die den malerischen Effekt verstärkt. Neben dem Formalästhetischen bleibt jedoch stets die Bildgeschichte: „Das Erzählerische, das zu Beginn meiner Studienzeit oft verpönt war“, so Robert Freund, „war jedoch stets ein wichtiges Element in meiner Kunst – und soll es auch bleiben.“ “

Eva-Maria Bechter: Robert Freund, Signalfarbe als Metapher für eine neue Welt. In: Vernissage, März 2007, 27. Jhg., Seite 32- 35


 

Zwischen Graphic Novel und Renaissance-Druck

Bei den comic-haften Tuschezeichnungen mit ihrer etwas groben, teilweise ungelenk wirkenden Linienführung, fühlt man sich sofort an Raymond Pettibon erinnert, aber auf seltsame Weise ebenso an die frühe Zeit der europäischen Druckgraphik wie sie etwa in der 1493 erschienenen Schedelschen Weltchronik zu finden ist. So finden sich an fliegende Fische gemahnende Bestien genauso wie das in der frühneuzeitlichen Kunst sehr beliebte Vanitas-Motiv in Form eines Spiegels, der einen Totenkopf zeigt. In einem tieferen Sinn passen diese beiden doch sehr weit von einander entfernten Welten, des modernen Comics und der frühen Gebrauchsgraphik wieder sehr gut zusammen, da sie beide im wesentlichen etwas erzählen wollen und mit dem Text eine unzertrennbare Einheit ergeben. Der 1981 geborene Robert Freund bezieht sich in seinen Arbeiten aber auf ein völlig anderes Narrativ als es die oben erwähnten – zur Alltagskultur zu zählenden – Genres tun: er zitiert aus Kunst und Kulturwissenschaft. So etwa in seinem tellerförmigen Portrait des Kunsttheoretikers und Sozialreformers John Ruskin, das durch den handgeschnitzten Buchenholzrahmen einen besonderen Bezug zu den Ideen dieses Vordenkers der Arts and Crafts-Bewegung hat.

Auch die bemalten Keramiken – die entfernt an chinesisches Porzellan der Ming Dynastie erinnern – scheinen auf den ersten Blick eher dekorative Gebrauchsgegenstände als eigenständige Kunstwerke zu sein. Wie alle gezeigten Arbeiten sind auch sie gekonnt an der Schnittstelle zwischen „pop-culture“ und „fine arts“ angesiedelt.

Man kann diese Schau also genauso gut aus rein ästhetischem Vergnügen, wie auch wegen der zahlreichen intellektuellen Verweise und Andeutungen, am besten aber wegen beidem besuchen.

Wolfgang Pichler: Zwischen Graphic Novel und Renaissance-Druck. [artmagazine], [7.12.2011].http://www.artmagazine.cc/content58739.html (22.02.2015)


 

Die immer frische Liebe zu Geschichten

…„Ganz anders geht Robert Freund, 24, an die Sache der Wirklichkeitsverwandlung heran. Er collagiert malerisch in großformatigen Tableaus unterschiedliche Zeichensysteme. Die Folge: höchst attraktiver „Triebwerkschaden“ (Bildtitel).“…

Walter Titz: Die immer frische Liebe zu Geschichten. In: Kleine Zeitung, 13. Jänner 2006


 

Big Fish eat little fish

„Zwischen technischen Versatzstücken wie riesige Schraubenschlüsseln, Zahnrädern oder Sägeblättern, erscheinen mechanisierte Menschen – sie sind als Teil der apokalyptischen Welten, die der junge Künstler Robert Freund ersinnt, dem dort vorherrschenden existenziellen Treiben ausgesetzt. Das malerische Werk Freunds zeichnet sich durch laute Farben sowie radikale Perspektiven aus. Es bildet sich ein Sog, der den Rezipienten in die Tiefe seiner bewegten Bilder zieht. Kraft seiner intensiven Farbwahl entsteht eine Atmosphäre, die geradezu ironisch an unsere Medien inszeniert Welt gemahnt.

Seine in gedämpften Braun/Schwarz-Nuancen gefertigten Tuschezeichnungen sind zwar ruhiger, aber um nichts beruhigender. Unter anderem erzählen sie von der Suche nach der Seele, wie die Bilder „Monosucher“ oder „Suchen SeeleVogel“.

Freund verbindet der Kunstgeschichte entlehnte Sinnbilder und Inhalte mit persönlichen Chiffren und kombiniert sie zu einer- im erweiterten Begriffssinne- eigenen Mythologie mit individuellem Symbolismus. Fern von Elektrizität verhilft er alten Themen zu neuem Erscheinungsbild. So tragen mehrere Bilder den Titel „Big fish eat little fish“. Schon in der Antike – und seither von vielen Künstlern aufgegriffen (z.B. Pieter Bruegel d.Ä.) – war das Sprichwort eine Metapher für das Wesen der Menschheit, hier wohl auch Sinnbild einer rücksichtslosen Kunstwelt, in der sich der Künstler zu behaupten sucht. In diesem Sinne kann man das Bild „Big fish eat little fish – bite back“ als Kampfansage verstehen, der Titel ist Programm.“

Alexandra Kontriner: Big Fish eat little fish. In: Die Presse, 15.07.2008, Seite 7

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